Ludwigshafener Rundschau

Mon 2 May 2016

Zauberer und Akrobat - Simone Rubino im BASF-Feierabendhausin Ludwigshafen

Für die Jubiläums-Konzertsaison der BASF hat sich "Weltenklang" als Schwerpunktthema aufgedrängt. 150 Jahre nach Gründung des heute in mehr als 80 Ländern tätigen Unternehmens wird hineingehorcht in die Melodien und Rhythmen der Erde. In der Reihe führte die Weltreise jetzt mit einer "Fiesta Sinfonica" nach Nordund Lateinamerika. Am Pult der Deutschen Radio Philharmonie stand dabei mit dem Mexikaner Carlos Miguel Prieto ein Experte, und mit Simone Rubino ein brillanter Virtuose am Schlagzeug.

Von einem musikalischen Feuerwerk war im Programmheft der BASF die Rede, "bei dem kein Auge trocken und kein Bein ruhig bleibt." Mit der vollmundigen Ankündigung wurde alles in allem nicht zu viel versprochen. Tatsächlich stand das Konzert im Feierabendhaus des Chemiekonzerns in Ludwigshafen ganz im Zeichen außerordentlich beschwingter, mitreißender und vitaler Klänge vor allem aus Argentinien und Brasilien. Nordamerika war mit "Frozen Time" (gefrorene Zeit), dem Konzert für Schlagzeug und Orchester des israelischen Komponisten Avner Dorman, vertreten, und als Zugabe erklang Gerönimo Jimenes' Intermezzo aus der Zarzuela (spanische Version der Operette) "Die Hochzeit des Luis Alonso".

Durchweg im Vordergrund stand an diesem Abend der Rhythmus, die Urgewalt entfesselter tänzerischer Bewegungsabläufe. Das begann gleich zu Beginn des Programms bei dem Stück "Estancia" (Aufenthalt) aus der Ballettsuite des angesehenen argentinischen Komponisten Alberto Ginastera, das eindeutig der klassi- schen Avantgarde zuzuordnen ist. Mit seiner Synthese aus Motiven der argentinischen Folklore, geschärften asymmetrischen Rhythmen, wechselnden Metren und Schlagzeuggewitter bewegte sich das Stück in der Nähe von Kompositionen Strawinskys oder Bartöks.

Zündende Rhythmen und emotionsgeladene heiße, sehnsüchtig schmachtende, süffige Melodien gab es im zweiten Teil zu vernehmen. Da erklangen die charakteristischenTänze wie Mariachi, Danzon, Huapango und Batuque aus der mexikanischen, kubanischen und brasilianischen Folklore. Ihre Komponisten, die Mexikaner Blas Galindo, Arturo Marquez und Jose Pablo Moncayo und der Brasilianer Oscar L. Fernandez, hatten wahrlich eine weit gefächerte Skala an Farben, Harmonien und Bewegungsimpulsen mobilisiert, die die Musiker in bester Manier wiederzugeben wussten.

Zum Helden des Abends avancierte freilich der Solist, Schlagzeuger Simone Rubino aus Turin. Bei Avner Dormans Schlagzeugkonzert, einem fantasievoll instrumentierten Versuch, die Geschichte der Erde klingend nachzuvollziehen, versetzte der junge italienische Musiker die Zuhörer im BASF-Feierabendhaus mit einem atemraubend spektakulären Virtuosenstreich in helle Begeisterung. Vorgeführt wurde Akrobatik pur. Die rhythmische Energie, die unerhört raffinierten Zauberkunststücke und auch die feinen Nuancen des großartigen Solisten waren einfach nur überwältigend.

Unter der umsichtigen, sehr überlegenen und impulsiven, dabei rhythmisch äußerst klaren Stabführung von Dirigent Carlos Miguel Prieto spielte die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern sehr kompakt, energisch und mit temperamentvollem Nachdruck. Prieto zeigte außerdem auch Entertainerqualitäten bei seinen Einführungen zu den lateinamerikanischen Stücken, die er im Dialog mit Moderator Markus Brock vom Südwestrundfunk machte. Für all das gab es zum Schluss des Konzerts enthusiastischen Beifall und stehende Ovationen.


Halasz Von Gabor