Piano News

Wed 12 Aug 2015

6 stars!

Franz Liszt, Franz Schubert und Leos Janácek : Weimar,  Wien und Brünn - 19. und 20. Jahrhundert - musikalisch ,,absolute" Werke und poetisches Stimmungsbild:  Der  erst  25- jährige Moskauer Pianist Philipp Kopachevsky bewegt sich bei seiner Werkauswahl zwischen scheinbar gegensätzlichen   Polen.   Inhaltlich und formal deckt das Programm aber auch überraschende Beziehungen auf: Es geht in allen drei Werken um Leben und Tod, alle drei verarbeiten Motive in verschiedener Variationenform. Ein weites musikalisches Feld, das der Pianist perfekt beherrscht - Melancholie, Bitterkeit, Zärtliches und Trostendes wie auch Raues und Beängstigendes - das alles bildet er in ebenso nuancierten wie abrupten Stimmungswechseln ab und entführt in bewegende Hörweiten . In allen drei kompositorischen ,,Welten" scheint es technisch keine Schranken für ihn zu geben, vor allem aber die in Brünn am 1. Oktober 1905 entstandene Sonate 1.X.1905, die Janácek noch am Todestag des während einer politischen Kundgebung getöteten Arbeiters zu notieren begann, gerät zu einer tief empfundenen ,,Totenklage". Eine kraftvolle h-Moll-Sonate, eine sensible und zugleich lebendig­ energische Wanderer-Fantasie und Janáceks bekenntnishafte, sehr persönliche Sonate mit ihren teilweise schwebend wirkenden Klängen, einem schroffen Klaviersatz und abrupten Fanfarenmotiven - Kopachevskys technische Meisterschaft und sein unprätentiöses und hochmusikalisches Spiel machen das Hörerlebnis zu etwas ganz Besonderem. Sehr habenswerte Aufnahme.


Isabel Fedrizzi